Die Kindertagespflege hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten von einem informellen Betreuungsarrangement zu einer professionellen und öffentlich geförderten Form der Kindertagesbetreuung entwickelt. Doch während sie in der Praxis als Betreuungsform etabliert ist und zum Gegenstand einer verstärkten empirischen Dauerbeobachtung geworden ist, bleibt ihre theoretische Betrachtung und Einordnung in erziehungs-, kindheits- und sozialwissenschaftliche Diskurse bislang hinter dieser Entwicklung zurück. Wie positioniert sich die Kindertagespflege im Spannungsfeld zwischen Privatheit und Öffentlichkeit? Wie lässt sich das Binnenverhältnis zu anderen Institutionen des kindheitspädagogischen Handlungsfeldes beschreiben? Welche professionellen Anforderungen ergeben sich für Kindertagespflegepersonen? Und wie lässt sich das Feld theoretisch fundiert verorten?
Der Sammelband greift die aktuellen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Kindertagespflege auf und beleuchtet sie aus vielfältigen theoretischen Perspektiven. Die Beiträge spannen einen Bogen von professions- und institutionentheoretischen Ansätzen über raum- und akteursorientierte Betrachtungen bis hin zu feministischen und sorgetheoretischen Analysen. Ergänzt werden sie durch empirische Forschungsarbeiten und historische Reflexionen. Damit liefert der Band erstmals eine Grundlage zur weiteren theoretischen Einordnung der Kindertagespflege und eröffnet darüber hinaus Impulse zur kritischen Reflexion der disziplinären Diskurse der Pädagogik der frühen Kindheit.