Die Beiträger dieses Bandes untersuchen die Wechselwirkungen von Normbildungen und Vorstellungen der conditio humana vor dem Hintergrund gegenwärtiger kultureller und technologischer Innovationen. Durch rasante Entwicklungen in Technik und Gesellschaft erodieren oft für selbstverständlich gehaltene normative Grenzen sozial gewachsener Strukturen ganz oder teilweise. So stehen moralische Normen, die sich aufgrund ihres Entstehungskontextes von der gegenwärtigen Lebenswirklichkeit deutlich abheben, verstärkt unter "Aktualisierungsdruck". Technologien wie künstliche Intelligenz verändern den menschlichen Handlungsspielraum. Der Band umfasst die damit zusammenhängenden ethischen Herausforderungen, die unter anderem auch davon ausgehen, diesen Spielraum nicht vorschnell zu verengen. Die dadurch notwendigen Normenbildungen unterliegen zwar sozialen und kulturellen Veränderungen, können aber nicht von einer impliziten Vorstellung des Menschen abstrahieren. In der Fülle der skizzierten Perspektiven legt der Band die oftmals verdeckten anthropologisch-normativen Implikationen frei und leistet einen Beitrag für eine aktuelle und komplexe Fragestellung. Der Band geht auf eine internationale Konferenz mit gleichnamigem Titel anlässlich der Emeritierung von Elisabeth Gräb-Schmidt im Juli 2025 am Tübinger Theologicum zurück. Als Festschrift zum 70. Geburtstag von Elisabeth Gräb-Schmidt wurde der Band um Beiträge von Weggefährtinnen und -gefährten sowie Doktoranden angereichert.