"Auf dem großen Schachbrett der menschlichen Gesellschaft besitzt jede Figur ihr eigenes Bewegungsgesetz, welches sich grundlegend von demjenigen unterscheiden kann, das ihr der Gesetzgeber aufzwingen will. Wenn die beiden Gesetze zusammenfallen und in die gleiche Richtung wirken, verläuft das Spiel der menschlichen Gesellschaft leicht und harmonisch und ist aller Wahrscheinlichkeit nach glücklich und erfolgreich. Wirken sie einander entgegen oder sind unterschiedlich, so verläuft das Spiel schlecht und die Gesellschaft befindet sich allzeit in einem Zustand größter Unordnung." Der vorliegende Band ist im wesentlichen einer Auseinandersetzung mit dieser Aussage des schottischen Moralphilosophen und politischen Ökonomen Adam Smith gewidmet, dessen Todestag sich am 17. Juli 1990 zum 200. Male jährte. Es geht um das "Bewegungsgesetz" des Individuums, dessen Einbindung in und Konditionierung durch überindividuelle Zusammenhänge und die Rolle des Staates - um das Spannungsfeld von individueller Freiheit und sozialer Ordnung. Es geht um den Prozeß menschlicher Zivilisation, um das Entstehen und Vergehen gesellschaftlicher Institutionen. Smiths Beitrag zur Beantwortung dieser Grundfragen der Sozialwissenschaft wird im folgenden am Beispiel einiger der großen Themen seines Werkes einzuschätzen versucht.
Inhalt:
Krishna Bharadwaj: Adam Smith's Contribution to Political Economy
Ulrich Krause: Eigennutz und ethische Gefühle oder Wie wird man ein guter Egoist?
Paul A. Heise: Stoicism in Adam Smith's Model of Human Behavior
Hans G. Nutzinger: Das System der natürlichen Freiheit bei Adam Smith und seine ethischen Grundlagen
Heinz D. Kurz: Adam Smith über Krieg und Frieden
Peter Kalmbach: Unzeitgemäße Betrachtungen: Adam Smith und die Unterscheidung zwischen produktiver und unproduktiver Arbeit
Albert Jeck: Über Mensch und Natur sowie einige Bewegungsgesetze des Kapital(ismu)s
Michael A. Landesmann: A. Smith's stages theory of economic development and the problem of the relative productiveness of different economic sectors
Otto Roloff: Über Natur und Ursachen öffentlicher Finanzwirtschaften im Wealth of Nations
Christof Rühl: Geldkreislauf, Einkommenskreislauf und effektive Nachfrage: Die Rolle des Geldes im "Wohlstand der Nationen"