Vor dem Hintergrund persistenter Polykrisendiagnosen und unter Berücksichtigung der spezifischen Eigenheiten der Kunst steht die Kunstpädagogik vor der Aufgabe, sich mit vielfältigen und teils widersprüchlichen Transformationsanforderungen auseinanderzusetzen. Kunstpädagogische Bildungsräume sind aufgefordert, ihre sozialen, räumlichen und epistemischen Logiken zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.
Dieser Band fragt danach, wie sich diese Veränderungen theoretisch fassen, praktisch gestalten und kritisch reflektieren lassen. Stabiles Zittern ist hierbei die von den Herausgeberinnen vorgeschlagene zentrale Denkfigur – ein relationaler, reflexiver und resilienter Modus, der Transformation nicht als lineares Fortschrittsnarrativ, sondern als fortwährend von Unsicherheit, Ambiguität und Aushandlung geprägten Prozess versteht.
Die Beiträge führen die Diskussionen der gleichnamigen Tagung an der Kunstakademie Münster im Herbst 2024 weiter und bündeln theoretische, forschungsbezogene, künstlerische und praxisorientierte Perspektiven. Sie sind in drei thematische Felder gegliedert: 1. Widerstand, Differenz und Situierung in kunstpädagogischen Praktiken, 2. sinnlich-räumliche Praktiken als Transformationsanlässe sowie 3. digitale Kulturen und kollaborative Netzwerke. Damit bietet der Band eine Momentaufnahme aktueller Debatten und versammelt Zugänge, um Transformationsprozesse in Art Education produktiv zu machen, zu dokumentieren und weiterzudenken. Damit verbunden ist das Plädoyer, das Schwanken als Ressource für notwendige Veränderungsprozesse und neues Denken in Kunstpädagogik und Ästhetischer Bildung, als neuen Normalzustand zu begreifen und ihn im risikoreichen Sprung navigierend in den Blick zu nehmen.