Boris Fereira - Schwarze Serie

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Boris Fereira - Schwarze Serie
Boris Ferreira Schwarze Serie

Auch wenn es sich wiederholt, so ist doch das, was Boris Ferreira in seiner Schwarzen Serie entwickelt, kein festes Bildvokabular. Es ist vielmehr eine Bewegung des Sehens.

Der Schriftsteller Hanno Millesi macht das in seinem Text auf eine Weise sichtbar, die selten ist: Er beschreibt nicht die Bilder – er zeigt, was mit dem Betrachter passiert. Zwei Personen, ein Atelierbesuch, eine Autofahrt danach. Mehr braucht es nicht. Und doch verschiebt sich alles. Die Bilder lassen sich nicht festhalten. Sie setzen sich fort: im Kopf, im Gespräch, in der Zeit. Was im Atelier noch als einzelne Leinwand erschien, beginnt sich zu einer Sequenz zu verbinden, wie ein Film.

Oder genauer: wie ein fortlaufender Denkprozess. Und damit ein klug gesetztes Intro für die weitere Bildbetrachtung. Boris Ferreiras Malerei lebt von der Spannung zwischen zwei Ebenen: einem rauen, bewegten Hintergrund und einer zweiten, fragilen Schicht davor – Linien, Formen, Ansätze von Bedeutung. Doch diese Bedeutungsversuche bleiben bewusst unvollständig. Der Künstler beschreibt sie selbst in seinem Essay als zaghaft, stotternd, scheiternd. Es geht ihm um dieses Erscheinen und Zerrinnen.

Denn das, was im Bild erscheint, erschließt sich nicht derart, dass man es greifen könnte. Man kann nicht verweilen. Jede Bedeutungskonstellation bleibt vorläufig und treibt weiter – wie Wasser, das sich ständig neu formt, wie ein Mobile, das sein Gleichgewicht nur momenthaft findet.

Hiermit berührt die Malerei eine existenzielle Erfahrung, die Ferreira mit dem Kafka-Zitat aufruft, das er im Titel seines Essays „Im Gestrüpp der Auswege“ aufnimmt. Die (Bild-)Erfahrung erscheint nicht als Erkenntnis, sondern als Bewegung. Als permanenter Übergang.

So erklärt sich, warum sich diese Bilder jeder stabilen Lesart entziehen. Sie kippen auch zwischen Maßstäben, zwischen kleinen organischen und weltraumartigen Assoziationen. Was entsteht, ist keine Gestalt, sondern ein Feld von Möglichkeiten. Konstellationen entstehen, zerfallen, werden ersetzt. Sehen wird zu einem Wandeln in Übersetzungen, fern von einem Original.

Ferreiras Malerei berührt damit etwas Grundsätzliches: Dass wir kurz Halt finden, uns aber nicht festhalten können an dem, was wir sehen. Dass wir weitergehen oder getrieben werden – aus einem Mangel, der jedoch den Kern unseres Erfahrens ausmacht. Das Bild ist hier nicht mehr das, was an der Wand hängt. Sondern was es auslöst, bevor es uns wieder entgleitet.

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ISBN: 9783967031539

Language: German

Publication date: 26.05.2026

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