Kurzfassung
PHA sind mikrobiologisch abbaubare Polymere und können aus Sekundärrohstoffen herge-
stellt werden. Schwarzwasser aus Vakuumtoiletten und Küchenabfälle sind aufgrund ihres
Kohlenstoffgehalts potenziell geeignete Substrate. Hohe Nährstoffgehalte und eine kom-
plexe Substratmatrix stellen jedoch Hürden dar, da diese nach der Literatur die PHA-Pro-
duktion inhibieren. Die Kombination mit Verfahren zur Nährstoffrückgewinnung ist eine viel-
versprechende Technologie, um diesem Problem zu begegnen. In dieser Dissertation wurden
sowohl nährstoffreiche als auch nährstoffreduzierte Substrate in einem dreistufigen Prozess
aus anaerober Versäuerung, Biomasseslektion und PHA-Akkumulation untersucht. Dabei
war das Ziel herauszufinden unter welchen Betriebsbedingungen eine PHA-Produktion aus
Schwarzwasser und Küchenabfällen möglich ist.
In der anaeroben Versäuerung werden komplexe organische Moleküle bakteriell zu organi-
schen Säuren umgewandelt, die als Substrat für die PHA-Produktion dienen. In Batchversu-
chen mit Schwarzwasser und Küchenabfällen wurden der pH-Wert, die Temperatur und die
Konzentration der Küchenabfälle variiert, um die geeigneten Betriebsparameter für hohe
Versäuerungsgrade und eine Beeinflussung des Produktspektrums zu finden. Die höchsten
Versäuerungsgrade von 53% konnten bei einer Konzentrationen der Küchenabfälle von
62,5 g/L im mesophilen und pH-ungeregelten Betrieb erzielt werden. Essigsäure war in allen
Versuchen dominierend, durch den pH-Wert konnte das weitere Produktspektrum jedoch
beeinflusst werden. Bei pH 5 fand eine Lösungsmittelgärung statt, bei pH 6 eine Buttersäu-
regärung und bei pH 8 eine Propionsäuregärung. Dadurch können die produzierten PHA be-
reits teilweise in der Versäuerung beeinflusst werden.
Die Selektion einer Bioasse, die reich an PHA-produzierenden Bakterien ist, kann durch ein
Feast-Famine-Regime erreicht werden. Während eines zeitlich begrenzten Substratüber-
schusses können diese Bakterien Energie als PHA speichern und haben während des darauf-
folgenden längeren Substratmangels einen Selektionsvorteil. Als Substrat kamen hier so-
wohl nährstoffreiche als auch nährstoffreduzierte Substrate zum Einsatz. Mit beiden Subs-
traten konnte erfolgreich eine PHA-produzierende Biomasse selektiert werden. Mit nähr-
stoffreduzierten Substraten gelang es im besten Fall innerhalb von 8 Tagen 71% PHA-Produ-
zenten mit PHA-Zellgehalten von bis zu 67% zu erreichen, im Gegensatz zu 38% Zellgehalt
mit nährstoffreichem Substrat. Eine vorausgehende Nährstoffrückgewinnung ist für die Bi-
omasseselektion somit von Vorteil, auch wenn gezeigt werden konnte, dass hohe Nährstoff-
konzentrationen der PHA-Produktion nicht entgegenstehen.
In der PHA-Akkumulation erfolgt ein dauerhafter Substratüberschuss, der die selektierten
Bakterien zur PHA-Produktion anregt. In zahlreichen Versuchen kamen nährstoffreiche,
nährstoffreduzierte und nährstofffreie reale und synthetische Substrate aus Schwarzwasser
und Küchenabfällen zum Einsatz. Die Nutzung des gleichen Substrats wie in der Biomasse-
lektion führte zu PHA-Zellgehalten von bestenfalls 45% und PHA-Konzentrationen von 449
mg/L. Durch ein phosphorfreies Substrat konnte der PHA-Zellgehalt weiter auf 60% gestei-
gert werden. Die PHA-Konzentration war mit 1.085 mg/L jedoch in einem zwar stickstoffre-
duzierten jedoch phosphorreichen Substrat am höchsten. Die Skalierung des Prozesses auf
einen halbtechnischen Maßstab war mit 47% PHA-Zellgehalt ebenfalls erfolgreich.