Dieses Buch ist keine klassische Monografie, es versteht sich selbst als Kunstwerk. Georg Loewits Skulpturen, Gemälde und Grafiken werden nicht einfach reproduziert, sondern - der Verfahrensweise des Künstlers folgend - bewusst in ungewöhnliche Detailansichten weiter zerlegt, um dem flüchtigen Blick zu entgehen. Der Buchfalz wird zur Schnittkante. Dieses Unterbrechen stellt sich einer voreiligen, unreflektierten Wahrnehmung entgegen und gibt einer Fülle an möglichen Perspektiven, Zugängen, Anknüpfungen und Interpretationen Raum.
Offene Fadenheftung, drehbares Format und der Wechsel zwischen matten und glänzenden Seiten machen die Publikation zu einem Objekt zwischen Kunst, Handwerk und Reflexion. Die Texte im Buch (A–Z) begleiten Loewits Arbeiten und eröffnen vielfältige Zugänge zu einem Werk, das von Abwesenheit und Ergänzung, Projektionsfläche und Schnitt, Bewegung und Stillstand erzählt: Menschen beim Flanieren, beim Einkaufen, bei alltäglichen Verrichtungen, im Urlaub, im Museum, am Strand, spazierend, beschäftigt, wartend – eingefroren in Posen, Gesten und Abständen, die von sozialen Regeln, Hierarchien und unausgesprochenen Konventionen geprägt sind.
Wie in Anne Michaels’ Gedanken über die Fotografie bleibt das Bewegte als „Verdichtung des Lichts“ oder „Hauch der Abwesenheit“ zurück. Loewits Werk macht diese paradoxe Erfahrung sichtbar: Nicht das Unbewegte wird festgehalten, sondern die Flüchtigkeit selbst. Das Format des Buches ist so gewählt, dass sich ein optisches Quadrat ergibt, wenn man es aufschlägt. Damit ist es um 90 Grad drehbar und lässt die beiden Werkgruppen Skulptur und Bild voneinander differenzieren, ohne dass sie sich zu weit voneinander entfernen. Denn in Loewits Werk hängt alles mit allem zusammen: Skulpturen gehen über in Bilder oder aus ihnen hervor, Werke entwickeln sich zu weiteren Werken – hier in der Reihenfolge ihrer Entstehung von 2012 bis 2025.
Ein Buch, das nicht nur betrachtet, sondern entdeckt werden will.