Hitler hat dank der „Wunderwaffe“ den Krieg gewonnen, doch nach den Feiern zu seinem 100. Geburtstag bricht das Nazireich zusammen. Es verabschiedet sich auf ähnliche Weise wie wenige Monate später in der realen Geschichte die DDR: Die Menschen haben die Nase voll, gehen auf die Straße und bringen auf unblutige Weise den Staat zu Fall.
Dass Hitler längst tot ist, ist ein Staatsgeheimnis, er wird laufend durch Doppelgänger ersetzt: alte Narren, die sich für ihn halten und die der „große Klein“ im Wiener Narrenturm vorrätig hält. Nun fliegt alles auf und Reichsmarschall Kraut kann nur noch die Demokratie ausrufen.
Diese hinreißend erzählte, burleske Handlung findet ihren zarten Gegenpol in der Liebesgeschichte des SS-Mannes Horst mit der Jüdin Esther. Sie lässt sein eingelerntes NS-Geschichtsbild krachend in sich zusammenbrechen.
Geschichte war immer offen, bevor sie Geschichte wurde.
Hellmut Butterwecks Roman ist ein wildes Spiel mit „Möglichkeiten“, die der Welt erspart geblieben sind.
Der Duft des Kaffees stieg ihm in die Nase. Der erste Schluck war der beste. Wie kann man nur keinen Kaffee mögen, dachte er während er sein Bürstchen trocknete. Ich habe so vieles gehasst, dachte er. Heute liebe ich meinen Kaffee und meinen Gugelhupf nach dem Rezept, nach dem ihn die Frau Schratt für den Kaiser buk, wenn er auf ein Schäferstündchen kam, Und einen guten Wein. Aber ich feiere ja auch meinen Hundertsten.
Plötzlich war er wieder dort, trotz der Tasse Kaffee. Er erkannte sie alle, Burgdorf, Krebs, seine getreue Hanna Reitsch, die ihn mit irgend etwas löcherte, natürlich, sie wollte ihn in ihrem Fieseler Storch ausfliegen oder war es die Riefenstahl, die unbedingt den großen Film über die heroischen Tage der Reichskanzlei drehen wollte?