Der letzte Band der Gesammelten Schriften von Hermann von Helmholtz bietet eine Auswahl von erkenntnistheoretischen Texten aus dem Nachlass. Die Fähigkeit des Menschen, die Außenwelt zu erkennen und ihre Veränderung in eine kausale Ordnung zu bringen, war für Helmholtz ein zentraler Aspekt seines Verständnisses von Wirklichkeit und zugleich Grundstein seiner Wissenschaftstheorie.
Nach Beendigung der Arbeit am Handbuch der physiologischen Optik (1867) beginnt Helmholtz, seine erkenntnistheoretischen Grundsätze zu überdenken. Im Zuge der Vorlesung über „Logische Principien der Erfahrungswissenschaften” (ab Wintersemester 1872/73) ersteht der Plan zu einer eigenständigen und systematischen Abhandlung. Erste Kapitel werden ausgearbeitet über die „Thatsachen der reinen Erfahrung. Das Sein”, über „Aufmerksamkeit” und „Raumconstruction”. Mitte der 1870er gibt Helmholtz das bereits fortgeschrittene Unternehmen ohne ersichtlichen Grund wieder auf.
Das vielfältige Spektrum an teils fragmentarisch gebliebenen Aufzeichnungen, die in diesem Band präsentiert werden, liefert einen völlig neuen Einblick in die Entwicklung von Helmholtz’ Denken vom Ausgang der 1860er bis in die Mitte der 1870er Jahre. Die bisher unbekannten Texte machen deutlich, dass die helmholtzsche Erkenntnistheorie eine Neubewertung verlangt.