Das hier sind die Kinder- und Hausmärchen in ihrer ursprünglichen, unverfälschten Gestalt, wie sie von den Brüdern Grimm erstmals herausgegeben wurden, einschließlich des kritischen Apparates, den sie dafür erstellten. Alle kennen die Figuren der Grimmschen Märchenwelt. Sie kommen in nahezu jeder Kindheit vor, sie inspirierten jeden Aspekt der Kultur, von der Symphonik Gustav Mahlers bis zu amerikanischen Horrorfilmen, sie sind allgegenwärtig. Doch wurden diese Geschichten über die Jahrzehnte vielfach umgeschrieben oder neu editiert, um sie dem jeweiligen – wie man heute sagen würde – Mainstream anzupassen. Diese Ausgabe gibt den Urtext unverfälscht wieder, gemeinsam mit dem von den Brüdern Grimm verfassten kritischen Apparat und den elf Stichen und zwei Entwürfen des dritten Bruders, Ludwig Emil. Die ursprünglichen Geschichten unterscheiden sich teilweise fundamental. Viele Märchen, die man zu kennen glaubt, werden hier für heutige Lesende zu etwas vollkommen Neuem. Oder hätten Sie geahnt, dass es die Mutter selbst war, die Hänsel und Gretel aus Angst vor dem Verhungern im Wald ausgesetzt hat? Oder dass Schneewittchen überhaupt nicht von einem Prinzen wachgeküsst wurde? Um nur zwei gut bekannte Beispiele hervorzuheben. Satz und Orthographie wurden unserer Zeit angepasst, Syntax und Wortwahl originalgetreu beibehalten. Die direkte, ehrliche und schnörkellose Erzählweise macht einen besonderen Reiz aus, der – zusätzlich zu den Neuentdeckungen in den Handlungen – auch ein Wiederlesen im erwachsenen oder späten Lebensalter zu einem gewinnbringenden literarischen Genuss macht. Der kritische Apparat der Brüder Grimm verweist auf Herkunft und Textentwicklung, auf denen ihre Sammlung aufbaut, und regt Interessierte auch heute noch zu tieferer Forschung an.