EIN SIZILIANER VON FESTEN PRINZIPIEN
darin zum ersten Mal auf Deutsch »Tod des Inquisitors« und »Der Mann mit der Sturmmaske« (Ü Monika Lustig, unter Verwendung einer Übersetzung von Michael Kraus), mit einem ausführlichen biographischen Essay von Maike Albath und einer kurzen Abhandlung über die Ironie von Santo Piazzese.
Für Leonardo Sciascia (1921 Racalmuto – 1989 Palermo) ist Sizilien Metapher der Welt; hier hat er das Handwerk seiner radikalen, umfassenden Kritik aller Machtgeflechte erlernt. Hier erkennt er, ein unbeugsamer Kopf, die berühmte Palmenlinie mit ihrer immer rasanteren Ausbreitung gen Norden: sieht die moralische Verpflichtung der Literatur gegenüber der immer mafiöser werdenden Realität.
In der literarischen Fallbeschreibung »Tod des Inquisitors« – Sciascias Lieblingswerk – ist der Schauplatz ins 17. Jahrhundert verlegt, das Thema Menschenwürde und Freiheit jedoch heutiger denn je; es ist ein nicht-vollendetes Werk, das Sciascia gerne zu Ende geschrieben hätte. Er vermacht es uns, den Nachfahren, als ein Instrument kritischen Denkens. Sein Held Fra Diego La Matina, ein freidenkender, von sozialen Idealen mit Ansteckungspotential beseelter Geistlicher hat mit den eisernen Handschellen seinen Peiniger, den Inquisitor Juan López de Cisneros getötet.
In »Der Mann mit der Sturmmaske« zeichnet Sciascia von einem wahren Fall vermeintlicher Reue ausgehend die perfide, grausame Logik des Folterregimes unter Pinochet nach, die ein unauslöschliches Abbild des Terrors, des Terrors der Denunziation ohne Gesicht, geschaffen hat.