Magic Veronica Lady Land

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Magic Veronica Lady Land
Erotische Literatur zu verfassen, ist aus ganzheitlicher Sicht, speziell, wenn sie an Pornografisches zu stoßen scheint, sowohl ein absolutes Risiko wie höchstnotwendig. ‍In den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts flutete pornografische Literatur den Markt – seien es die Werke von Henry Miller, oder die eher seelenlose als frivole Sexualität einer Anais Nin, welche das moderne Bürgertum anfangs schockierten. Bald konnte man gewahr werden, dass das Enttabuisieren der Sexualität, die – meist männliche – Sicht auf den Sex, das Überschreiten aller natürlichen Grenzen, in Wirklichkeit den Antrieb der Moderne schlechthin darstellt. Alles soll enttabuisiert sein, verfügbar, in seine Bestandteile zerlegt unter dem Mikroskop ausspioniert, auf dass das Kapital ihm einen rechten Preis zuzumessen vermag. ‍Speziell die selbstdarstellerische Sexualität in der Frauenliteratur zu Beginn dieses Jahrtausends zeigt, dass es heute nunmehr einzig darum geht, Aufmerksamkeitsökonomie zu beherrschen, also darum, Obszönes und auch Widerwertiges so ins grelle Licht zu rücken, dass man sich des empörten Aufschreis gewiss sein kann, der rasch im frenetische Beifall der Entfremdeten aus der Kulturschickeria verhallt. ‍Nichtdestotrotz ist die Sexualität der Urantrieb unseres Seins, reißt sie in unbewussten Tiefen uns mit, verschlingt uns, wenn wir sie nicht zu bändigen lernen, wenigstens Anleitungen erfahren, wie mit ihr umzugehen. Leidenschaft kann – wie die Weltliteratur uns lehrt – ganze Reiche verwüsten, und exotische Länder sextouristisch kolonialisieren. ‍Ihre gewaltige Macht zu unterdrücken, rückt heute eine ganze Generation junger Intellektueller aus, uns weiszumachen, es gäbe keinen Unterschied zwischen Mann und Frau, es gäbe überhaupt nichts Weibliches oder Männliches. ‍Dementsprechend wichtig sind die vorliegenden Gedichte Michael Benaglios, der in archaischer Kraft Leidenschaft preist, die ihn mit- manches Mal zerreißt. Die Gewalt dieser Tiefenströmungen ist stark genug, das persönliche Ich zu überwinden – es zu zerschmettern, wie es in der Liebeslyrik der Mystiker in ihren Gesängen an Gott zu lesen ist. Hier entdecken wir die transzendente Seite dieser Macht: das Ich wird durch die Leidenschaft gezwungen, seine Begrenztheit zu überwinden – nicht indem es andere unterdrückt, vergewaltigt, kolonialisiert, wie heutzutage mit Mutter Erde und den Frauen in den Sexkolonien verfahren wird, sondern indem es – dem gleichwertigen Geschlechtspartner sich zu nähern gezwungen – zur Liebe reift. Um diese in ihrer Fülle zu erfahren, sind die tiefgründeten (nicht abgründigen) kraftvoll erotischen Gedichte dieses Buchs eine Treppe, letztlich über Verlust, Wiedergeburt und Erkenntnis hinweg zur Vollendung zu gelangen. ‍Manfred Stangl

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ISBN: 9783903492103

Language: German

Publication date: 29.07.2024

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