Der vorliegende Band versammelt die Beiträge einer Tagung, die durch die Publikation einer Handschrift des hallischen Apothekers Wolfgang Holtzwirth (1522−1572) angeregt wurde. In diesem Manuskript berichtet Holtzwirth über seine ersten drei Lebensjahrzehnte und insbesondere über seine Reise in das Heilige Land im Jahr 1546. Durch seine Erfahrungen stellt er nicht nur eine bemerkenswerte Figur im mitteldeutschen Panorama der Reformationszeit dar, sondern gilt auch als der erste Protestant überhaupt, der nach Jerusalem reiste. Damit läutete er gewissermaßen eine Welle von protestantischen Jerusalem-„Pilgerfahrten“ ein.
Vor diesem Hintergrund beschäftigen sich mehrere Beiträge dieses Bandes mit protestantischen Jerusalemreisenden des 16. und 17. Jahrhunderts, wobei unterschiedliche Milieus wie adlige oder bürgerliche Gruppen und auch verschiedene Quellengattungen wie Reiseberichte, Leichenpredigten oder auch Inschriften und Grabmonumente in den Blick genommen werden. Ebenso werden die „Souvenirs“ solcher Heilig-Land-Fahrten und deren Funktion in frühneuzeitlichen Sammlungskontexten behandelt. Mit den hier vorliegenden Beiträgen wird so ein neuer Blick auf eine bisher weithin verborgene Seite des frühen Protestantismus eröffnet, in dem es seit der Mitte des 16. Jahrhunderts allen konfessionellen Vorbehalten zum Trotz ein reges Interesse daran gab, das Heilige Land kennenzulernen oder gar zu besuchen.
Beiträge zum Umfeld der Familie Holtzwirth in der Stadt Halle, zu seinem Prager Reisegefährten Ulrich Prefát und zur Provenienz und Überlieferung der im Schlossmuseum Sondershausen verwahrten Handschrift ergänzen das Themenfeld.
Der Band bietet damit neue Einsichten nicht nur für jene, die sich für das Thema Reisen, Pilger und Kulturkontakte in der frühen Neuzeit interessieren, sondern auch für alle, die sich mit der Stadtgeschichte Halles und der Kultur des frühneuzeitlichen Protestantismus beschäftigen.