Der Fundplatz Alacalıgöl, im Übergang vom mittleren zum späten Chalkolithikum besiedelt, liegt in der südwestlichen Kesik-Ebene, nur wenige Kilometer westlich von Troia, auf einer ehemaligen nordostorientierten Landzunge, die während der holozänen Meerestransgression teilweise von einer flachen Bucht umgeben war. Die Datierung der Siedlung stützt sich auf das archäologische Fundmaterial, insbesondere auf die Keramik, die eine Einordnung in die Zeit zwischen ca. 4600/4500 und 3900/3800 v. Chr. erlaubt. Während West- und Südwestanatolien sowie der ägäische Raum nur wenige Parallelen liefern, zeigen sich im Norden und Nordwesten deutliche kulturelle Verflechtungen – etwa zu Fundstellen des Kodjadermen–Gumelnița–Karanovo VI- sowie des Sălcuţa–Krivodol–Bubanj-Komplexes.
Alacalıgöl ist ein herausragendes Beispiel für die Transformationsprozesse des Chalkolithikums, in denen kultureller Wandel nicht abrupt, sondern als vielschichtiger, von regionalen Kontakten geprägter Prozess stattfand. Die Funde zeigen, wie überlieferte Formen fortgeführt und zugleich neue, stilprägende Typen eingeführt wurden, die auf überregionale Netzwerke und Austauschbeziehungen verweisen. In dieser Mischung aus Bewahrung und Innovation tritt die kreative Dynamik einer Gesellschaft hervor, die sich zwischen lokalen Traditionen und äußeren Einflüssen neu definierte.
So wird Alacalıgöl zu einer Schnittstelle kultureller Kommunikation, an der materielle Kultur als Ausdruck sozialer und symbolischer Neuorientierung sichtbar wird. Der Fundplatz dokumentiert die Verflechtung von Stabilität und Wandel, von Isolation und Vernetzung – und eröffnet ein lebendiges, facettenreiches Bild der kulturellen Landschaft Nordwestanatoliens im späten 5. Jahrtausend v. Chr., an einem entscheidenden Wendepunkt prähistorischer Entwicklung.