Die Frage im Titel dieses Bandes Welcher Gott für welche Gesellschaft und Welt? setzt zweierlei voraus. Erstens:
Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem Verständnis von Gott auf der einen und der Gestaltung
von Gesellschaft und Welt auf der anderen Seite. Zweitens: Die Rede von Gott ist ebenso vieldeutig, wie es
unterschiedliche Vorstellungen über Gesellschaft und Welt gibt. Die Frage Welcher Gott für welche Gesellschaft
und Welt? impliziert einen unausweichlichen Bezug von Gott, Mensch und Welt.
Die Analyse des persönlichen, pastoralen und politischen Funktionierens dieses Bezugs gehört zum Kern
der Beschäftigung mit der Gottesfrage, weil diese bezogen auf die jedesmaligen wirklichen Lebensverhältnisse
gesehen und bearbeitet werden muss. Edward Schillebeeckx hat es so formuliert: «Das gesellschaftliche
Funktionieren des Gottesglaubens kann man nicht von der theologischen Bedeutung des Gottesglaubens
isolieren.» Das gilt ebenso für die Leugnung des Gottesglaubens, denn auch diese hat eine gesellschaftliche
Funktion. Im Namen von beiden Positionen sind in der Geschichte ebenso menschliche Großtaten wie unmenschliche
Scheußlichkeiten begangen worden.
Der Untertitel des Bandes Das Konzil von Nizäa und die Zerrissenheit des Christentums bezieht sich auf die
Tatsache, dass das Konzil von Nizäa im Jahr 325 in der Geschichte des Christentums eine Zäsur von solcher Art
darstellte, dass davon die Rede ist, es sei «als erstes ökumenisches Konzil zu welthistorischer Bedeutung
gelangt».