Wie viel Mut braucht es, sich treu zu bleiben, wenn die Welt sich gegen dich wendet?
Es sind die Umbruchjahre des frühen 20. Jahrhunderts. Gertrud Schnitzler wächst in einer katholisch geprägten Familie in Trier auf. Früh spürt sie den Wunsch nach Bildung und Selbstständigkeit. Wie viele bürgerliche Frauen in der Weimarer Republik ergreift sie einen sozialen Beruf und wird Kindergärtnerin, später Jugendleiterin. Sie erlebt eine Zeit des Aufbruchs: Ihre Lehrerinnen in Trier und Freiburg sind Protagonistinnen einer reichsweiten Bewegung der neuen sozial-pädagogischen Ausbildung.
Doch mit der nationalsozialistischen Herrschaft gerät ihre berufliche Existenz unter Druck. Konfessionelle Einrichtungen werden kontrolliert, berufliche Spielräume schwinden, auch innerhalb der Familie wächst die Gefahr. Ihr Vater Franz, tätig an der Frauenklinik eines Krankenhauses, sieht sich mit schwierigen ethischen Entscheidungen konfrontiert. Ihr geistig behinderter Bruder Heinz wird durch die nationalsozialistische Rassen- und Gesundheitspolitik bedroht.
Die Geschichte fragt, wie Menschen unter autoritären gesellschaftlichen Verhältnissen Verantwortung bewahren.
Sie verknüpft persönliche Biografie mit der Geschichte sozialpädagogischer Ausbildung und Kindheitspädagogik.
Der Titel richtet sich an historisch interessierte Leserinnen und Leser, die sich für Alltagsgeschichte, Frauenbiografien, Inklusion und die gesellschaftlichen Umbrüche des frühen 20. Jahrhunderts interessieren. Besonders Erzieherinnen, Sozialarbeiterinnen und pädagogische Fachkräfte sind angesprochen, die sich für die historischen Wurzeln ihrer Berufe interessieren.