Josef Finster, 1900-1941, ist in Linz geboren. Die Familie kommt aus dem Salzkammergut. Er steht für die bis heute wenig beachteten Frauen und Männer, die als Tagelöhner in prekären Verhältnissen lebten. Das NS-Regime deportierte ihn, der in der Vergangenheit mindere Haftstrafen abgebüßt hatte, als „Berufsverbrecher“ in ein Konzentrationslager. Von dort kehrten nur wenige lebend zurück. Ihre Familien sowie die Nachkriegsgesellschaften vergaßen diese Opfer des Nationalsozialismus aus Scham und Eigennutz.
Dieses Buch schildert, was seine Großnichte über ihn in Erfahrung bringen konnte.
Kurzinformation
Am frühen Morgen des 14. Juni 1938, einem Dienstag, holte die Linzer Kriminalpolizei Josef Finster aus seinem Bett in der Derfflingerstraße 13. Die Polizisten nahmen den damals 38-jährigen Mechaniker und Hunderte andere Menschen in „Vorbeugungshaft“. Dazu ermächtigte sie ein staatlicher Sondererlass, wonach „ein schlagartiger Zugriff auf alle gefährlichen Berufs- und Gewohnheitsverbrecher durchzuführen“ sei. Wegen kleinerer Delikte stand Josef Finster in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren mehrfach vor Gericht. Das genügte den Behörden in Österreich, wo im März 1938 die NSDAP die Macht übernahm, um Josef Finster zu verhaften und ihn in das Konzentrationslager Dachau zu deportieren. Die Gestapo überstellte ihn wenige Tage später in das Konzentrationslager Flossenbürg im Bayrischen Wald, wo Josef Ende November 1941 zu Tode kam.
Die Autorin des Buches, Waltraud Kannonier-Finster, über das Projekt, die Lebensgeschichte des Großonkels zu recherchieren und zu publizieren. „Für mich ist wichtig, mit dem Schweigen in der Familie um Josef Finster zu brechen.“ Durch jahrelange Nachforschungen in vielen Archiven ist es gelungen, eine ganze Reihe von Daten über Josef und seine Lebensumstände zusammenzutragen. Mit dem Buch soll er nicht nur als ein Opfer des Nationalsozialismus dargestellt werden, sondern als Mann, der – aus einfachen Verhältnissen kommend – vor seiner Ermordung ein zwar karges, aber doch ein Leben geführt hat. Ergeben haben die Recherchen auch, dass der Großonkel nicht wegen einer konkreten gesetzwidrigen Handlung in ein Konzentrationslager gebracht worden sei. „Die Verhaftung erfolgte wegen des bloßen Verdachts, gefährlich zu sein und zukünftig wieder Straftaten zu begehen. Ihm und anderen, denen Ähnliches zugestoßen ist, soll eine Lebensgeschichte gegeben werden.“ Das mache es schwieriger, Personen und Gruppen zu stigmatisieren, „die es – aus welchen Gründen immer – im Leben schwer hatten, aber dennoch versuchten, mit den Widrigkeiten des Lebens zurecht zu kommen.“