Kunst, Wirklichkeit und ihr Verschwinden untersucht den Weg von der physikalischen Wirklichkeit über Leben, Wahrnehmung und Erinnerung bis zu Zeichen, Abstraktion, Zahl, Erkenntnis, Bewusstsein und Kunst. Ausgangspunkt ist die Frage, wie eine Wirklichkeit, die unabhängig von uns existiert, für einen wahrnehmenden Organismus überhaupt zur erfahrbaren Welt werden kann. Wahrnehmung erscheint dabei nicht als unmittelbare Abbildung des Realen, sondern als selektiver Prozess: Sie unterscheidet, ordnet, verbindet und lässt anderes zurücktreten. Aus dieser grundlegenden Bewegung entwickelt das Buch eine Theorie der Abstraktion. Zeichen, Sprache, Zahl und mathematische Modelle gewinnen Erkenntnis gerade dadurch, dass sie konkrete Eigenschaften vernachlässigen und Relationen bewahren. Das „Verschwinden“ bezeichnet deshalb keinen bloßen Verlust, sondern einen produktiven Vorgang: Etwas tritt zurück, damit Struktur, Bedeutung und neue Möglichkeiten entstehen können. Diese Entwicklung führt schließlich zur Kunst und weiter zur Algorithmik. Im Zentrum steht die Frage, ob ein Kunstwerk künftig nicht nur seinen Urheber überdauern, sondern seine eigene Geschichte fortsetzen kann. Das Buch entwirft dafür den Begriff des autonomen algorithmischen Werks: eines vom Künstler begründeten Werkprozesses, dessen Vergangenheit seine zukünftigen Zustände mitbestimmt und dessen Entwicklung innerhalb einer gesetzten Werkverfassung über die biologische Lebenszeit seines Urhebers hinaus weitergehen kann. Das autonome algorithmische Werk löst sich von der Gegenwart des Künstlers. Es existiert und entwickelt sich erstmals unabhängig von seiner Lebenszeit weiter.