Dieses Buch erkundet den menschlichen Körper – aus hormoneller und fotografischer Perspektive –
als politisches Instrument und Ort der Wissensproduktion. Labor Lab ist eine experimentelle Foto-
serie, bei der flüssige Hormonsubstanzen direkt auf belichtete Fotonegative gegeben und damit
chemische Reaktionen in der Fotoemulsion ausgelöst wurden, um dann in der Dunkelkammer
großformatige Abzüge davon herzustellen. Durch diesen fotochemischen „Hack“ entstehen
Porträts der Hormone, die das Material für Verbundenheit, Reproduktion, Sex, Schlaf, Hunger,
Altern, Wachstum, Verhütung und Abtreibung darstellen. Die Fotoserie verwandelt diese intimen
körperlichen Erfahrungen in eine ästhetisch fassbare und zugängliche Form der Interpretation
und der Debatte. Der Band enthält vier Essays, deren Verfasser·innen an den interdisziplinären
Diskussionen teilgenommen haben, die im Vorfeld und während der Dauer der ersten Ausstellung
von Labor Lab bei der Schering Stiftung 2024 stattfanden.
Asya Yaghmurian ist Kuratorin und Redakteurin und lebt in Berlin. Sarah Ancelle Schönfeld ist Künstlerin, sie destilliert, erfasst und verwandelt Wissen. Esther Leslie ist Professorin für Politische
Ästhetik, sie hat über Farbchemie, Animation, Bildschirme und Geräte geschrieben. Margarida
Mendes beschäftigt sich als Forscherin, Kuratorin und Vermittlerin mit spekulativer Fiktion, Sound-
praktiken und Umwelterziehung. Jeannie Moser erkundet in ihrer literatur- und kulturwissenschaft-
lichen Arbeit die Schnittstellen von Sprache, Wissenschaft, Gesellschaft und Politik. Heiko Stoff
arbeitet als Medizinhistoriker an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und ist Mitglied
des Sonderforschungsbereichs „Sexdiversity“.