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Das Evangelium als Fundament: Eine Neubesinnung auf das Wesen des Christseins
In der Flut theologischer Einführungsliteratur scheint das Wesentliche oft aus dem Blick geraten zu sein. Während Standardwerke wie Hans Küngs Christ sein oder Karl Rahners Grundkurs des Glaubens weite Kreise ziehen, bleibt eine entscheidende Frage oft unbeantwortet: In welche Art von Christentum führen diese Schriften eigentlich ein? Die vorliegende Arbeit unternimmt den Versuch, diese Leerstelle zu füllen, indem sie das Evangelium konsequent als die Grundlage und Hauptsache alles Christlichen in das Zentrum der Betrachtung rückt.
Die Kritik: Das „Aschenputteldasein“ des Evangeliums
Eine kritische Sichtung der bedeutenden Entwürfe von Ratzinger, Rahner und Küng offenbart ein systematisches Defizit. Oft wird das Christentum entweder in philosophischen Abstraktionen (Rahner), in einer vagen Suche nach „Sinn“ (Ratzinger) oder in einer bloßen Fixierung auf den historischen Menschen Jesus (Küng) verhandelt. Das Evangelium als eigenständige, schöpferische Kraft und als normative Größe führt dabei oft nur ein „Aschenputteldasein“.
Besonders Hans Küngs Versuch, das Christentum als eine Weltreligion unter anderen einzuordnen, wird hier einer Revision unterzogen. Wer das Christentum lediglich als eine weitere „theistische Religion“ begreift, verkennt den tiefen Graben zwischen religiöser Selbsterlösung und der im Evangelium geoffenbarten Wahrheit. Christsein ist kein modifizierter Jesuanismus und kein bloßes moralisches Programm; es ist der von Gott bewirkte heilsgeschichtliche Fortschritt, der über die Religionen hinausweist.
Der methodische Weg: Klarheit durch Tradition und Exegese
Um dem Leser ein belastbares Bild des Christentums zu vermitteln, orientiert sich diese Einführung an einem bewährten dreischrittigen Weg:
Die Erhebung des biblischen Befundes: Das Neue Testament wird nicht nur als Zitatquelle genutzt, sondern in seiner Tiefe erschlossen, um die zeitliche und sprachliche Distanz zur heutigen Lebenswelt zu überbrücken.
Die systematische Durchdringung: In Anlehnung an die Klarheit eines Thomas von Aquin werden Begriffe präzise geschärft und Sachverhalte unterschieden, um die intellektuelle Redlichkeit des Glaubens zu wahren.
Die Überwindung der „Betriebsamkeit“: Gegen die verbreitete kirchliche Neigung, das Evangelium unter einer Fülle gesellschaftlicher und praktischer Vorstellungen zu ersticken, wird die befreiende Kraft der Botschaft freigelegt.
Ein Werkzeug zur Unterscheidung
Dieses Buch ist aus einem römisch-katholischen Blickwinkel verfasst und nutzt den Reichtum dieser Tradition – insbesondere in den Fragen der Sakramente und der Ekklesiologie –, um ein umfassenderes Bild des Christentums zu zeichnen. Es versteht sich jedoch nicht als Einführung in das theologische Schrifttum, sondern als direkte Hinführung zur Sache selbst.
Der Leser gewinnt einen verlässlichen Maßstab, um zwischen dem eigentlichen Evangelium und den vielfältigen religiösen „Ersatzprodukten“ zu unterscheiden, die heute oft unter dem Label „christlich“ vermarktet werden. Es ist ein Plädoyer für ein Christentum, das seinen Boden im Evangelium findet und dort gedeiht – jenseits von bloßem Traditionalismus oder modischer Beliebigkeit.
Zielgruppe
Dieses Werk richtet sich an Promovierende, Hochschullehrende und theologisch interessierte Laien, die eine fundierte, methodisch saubere und inhaltlich profilierte Auseinandersetzung mit der Identität des Christlichen suchen. Es bietet jenen Orientierung, die sich nicht mit oberflächlichen Antworten zufriedengeben wollen, sondern bereit sind, sich der „Anstrengung des Begriffs“ und der Radikalität der biblischen Botschaft zu stellen.