Trotz ihrer immensen Bedeutung haben Wissenschaft und Forschung in der Zeitgeschichtsschreibung bisher allenfalls eine untergeordnete Rolle gespielt. Um diese Blindstelle zu erhellen, verknüpft Jaromír Balcars Studie Zeitgeschichte und Wissenschaftsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland in Form einer Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) als Gesamtorganisation. Der Untersuchungszeitraum reicht von der Gründung 1946/48 bis in das erste Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, als die MPG ihren „Aufbau Ost“ mit der Gründung von 18 Max-Planck-Instituten in den neuen Bundesländern abschloss.
Im Zentrum der Studie steht die institutionelle Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft, einer der zentralen Säulen des (west-)deutschen Wissenschaftssystems. Die Untersuchung konzentriert sich auf ihre Finanzierung, ihre Verwaltung sowie ihre Lenkungs- und Leitungsstrukturen. Wie wirkten sich die großen Zäsuren in der Geschichte der Bundesrepublik, die Tendenz zur Ökonomisierung von Wissenschaft und Forschung, aber auch die fortschreitende europäische Integration und die zunehmende Globalisierung auf die Entwicklung der MPG aus? Damit gerät zum einen das Verhältnis der MPG zu Politik und Wirtschaft in den Blick, die einerseits als Geldgeber unverzichtbar waren (und sind) und andererseits Steuerungsansprüche erhoben, die mit dem Postulat der MPG auf weitgehende Autonomie in der eigenen Wissenschaftspolitik kollidierten. Zum anderen rücken die nicht immer spannungsfreien Beziehungen zwischen der MPG als zentraler Organisationseinheit und ihren Instituten in den Fokus. Die Kombination dieser Perspektiven ergibt das spannende Portrait einer Wissenschaftsorganisation im Wandel.