Wer heute führt, wird von einer Arbeitswelt gefordert, die durch Digitalisierung, Tempo und wiederkehrende Krisen unberechenbar geworden ist und von Mitarbeitenden, die Sinn, Beteiligung und Respekt erwarten. Peter Becker, promovierter Ingenieur mit individualpsychologischer Zusatzausbildung und geschäftsführender Gesellschafter einer Beratung für Executive Search und Leadership Development, zieht daraus einen klaren Schluss: New Work braucht Führungspersönlichkeiten, die Potenziale ihrer Mitarbeitenden freisetzen, statt Verhalten zu steuern. Sein Buch beschreibt, was eine Führungskraft mit Herz ausmacht und wie Würde, Werte und Vertrauen im Alltag tatsächlich wirksam werden. Es liefert hierfür Modelle zum Verstehen und zwei erprobte Formate zum Arbeiten.
Teil 1 legt die Grundlagen. Er ordnet die VUCA-Welt ein, erweitert das Verständnis von Führungsrolle und Führungsstil und behandelt innere Krisen nicht als Gestaltungsraum, aus dem Resilienzkompetenz erwächst. Um das Wesen des Menschen zu verstehen, stellt Becker ein holistisches Menschenbild und mehrere Modelle vor: den Potenzialkreis, das Zwei-Punkte-Modell, die Big Five und das Hogan Personal Inventory. Sie beantworten, wie der Mensch im modernen Arbeitsumfeld zu betrachten ist, was die Entfaltung seiner Potenziale fördert oder hemmt und wie sich Verhaltensmuster einordnen lassen. Aus der Verbindung von Individualpsychologie, Neurobiologie, Kybernetik, Systemtheorie und Regelungstechnik entwickelt der Autor das Kommunikations-Fluss-Modell, das die Interaktion zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden als Regelung eines komplexen sozialen Systems beschreibt und betriebswirtschaftliche wie soziale Anforderungen zusammenführt.
Teil 2 überführt diese Gedanken in die Praxis, nach dem EMMA-Prinzip: „Einer muss mal anfangen“. Ausgangspunkt ist die konsequent gestellte Frage „Wer bin ich?“. Mit der aus der Tiefenpsychologie stammenden Bootsgeschichte und mit der Methode LEGO SERIOUS PLAY® werden Ressourcen zugänglich, die rein kognitiv schwer erreichbar sind: Eigene Werte lassen sich prüfen, ergänzen oder austauschen, Blockaden erkennen und auflösen, neue Ziele erarbeiten. Das Persönlichkeitsprofil Leadership Development 4.0 richtet den Blick anschließend auf den Reifegrad der eigenen Persönlichkeit unter den Anforderungen der Digitalisierung. Aus der Frage „Wer bin ich?“ wird dann die Frage „Wer sind wir?“. In diesem Sinne ist jedes Teammitglied ein Boot, und das Buch zeigt, wie aus einzelnen Booten eine Flotte wird.
Zwischen beiden Teilen steht das eigentliche Thema des Titels: die Rolle von Emotionen im Führungsgeschehen, der Einfluss neurobiologischer Vorgänge auf Führungsverhalten und Vertrauen als wichtigste Ressource der Zusammenarbeit. Statt Krisen abwehrend zu begegnen, lassen sie sich so nutzen, um die eigene Resilienzkompetenz zu erhöhen, bis hin zu der Frage, wie ein Weg zurück zu Lebendigkeit, Neugier und Zuversicht gelingt. Ein persönlicher Entwicklungsplan sichert den Transfer in den Alltag; mehrere Podcast-Staffeln des Autors vertiefen einzelne Aspekte. Der Band aus der Reihe LEADERSHIP kompakt ist auf 136 Seiten bewusst dicht gehalten und will durchgearbeitet werden. Er richtet sich an Führungskräfte, die ihre Rolle grundsätzlich neu justieren, ebenso wie an Coachs, Trainerinnen und Trainer sowie an die Personalentwicklung, die Persönlichkeitsmodelle und erprobte Teambuilding-Formate für ihre Arbeit suchen.