Auf den Spuren des Wuppertal-Komitees
"Das Wuppertal-Komitee sei die übelste Hetzzentrale gegen Deutschland [...] und [hätte] entscheidend dazu beigetragen [...], die breite Öffentlichkeit des Auslandes gegen das Dritte Reich aufzuputschen.“ (Aus dem Bericht der Gestapo)
Zu Jahresbeginn 1935 hatte die Gestapo eine beispiellose Verhaftungsoperation gestartet. Von 1935 bis 1937 wurden im Großraum Wuppertal insgesamt mehr als 1.900 Menschen verhaftet und 649 Personen von ihnen in den sog. Wuppertaler Gewerkschaftsprozessen wegen Vorbereitung zum Hochverrat zum Teil zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. 16 Aktivisten verloren ihr Leben bereits in Haft bis zum Ende der Prozesse im März 1937. Die sogenannten „Wuppertaler Gewerkschaftsprozesse“ erlangten eine große internationale Beachtung. Europaweit setzten sich - im Vorgriff der kurzen Volksfront-Phase - über die Parteigrenzen hinweg Unterstützer:innen für die 1.900 verhafteten Wuppertaler Arbeiter:innen ein.
Herausragend war die Unterstützung der Wuppertaler Widerstandskämpfer:innen durch die weltweite Menschenrechtskampagne des Wuppertal-Komitees. Das von niederländischen Intellektuellen in Amsterdam gegründete „Centraal Wuppertal Comité“ (Wuppertal-Komitee) begann Weihnachten 1935 Geld für die Familien der Verhafteten zu sammeln. Die Liste der 123 namentlich bekannten Unterstützer:innen und Aktivist:innen liest sich wie ein „Who is Who“ der niederländischen Intellektuellen, der Arbeiter-, Frauen- und Friedensbewegung. Unter den Aktivist:innen waren viele jüdische Menschen, aber auch Prediger und Aktivisten der christlichen Kirchen, Theosoph:innen und religiöse Sozialist:innen.
Die Hauptaufgabe des „Wuppertal-Komitees“ bestand darin, die internationale Öffentlichkeit über die Massenverhaftungen, die Massenprozesse und den Repressionsapparat des NS-Regimes zu
informieren. Auf dem Höhepunkt der Kampagne entsandten französische Gewerkschaften und niederländische Organisationen Delegationen zu den Prozessen nach Wuppertal.
Die Nachricht von der Ankunft der niederländischen und französischen Delegation vor dem Landgericht in Wuppertal verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Die Anwesenheit der „Ausländer“ ermutigte die Angeklagten und ihre Angehörigen enorm. Sie waren nicht allein, zudem in den Folgemonaten Kurier:innen Unterstützungsgelder illegal aus den Niederlanden nach Wuppertal brachten und über die Rote Hilfe an die Familien der politischen Gefangenen verteilten. Die Gestapo in Wuppertal war hingegen fassungslos, sie musste sich aber im Jahr der Olympiade 1936 in Berlin gegenüber den ausländischen Beobachtern zurückhalten.
Als die deutsche Wehrmacht im Mai 1940 die Niederlande überfiel, waren die Aktivitäten des Wuppertal-Komitees bei den Nationalsozialisten nicht vergessen. Im Gegenteil: vor allem die
jüdischen Niederländer:innen, die für das Wuppertal-Komitee gearbeitet hatten, waren in größter Gefahr. Insgesamt 15 Komitee-Mitglieder starben. 8 der 15 Toten waren jüdisch. Sie starben in Sachsenhausen, in Mauthausen, in Auschwitz oder anderen Orten. Drei Personen, davon zwei jüdische Widerstandskämpfer, wurden in den Selbstmord getrieben. Weitere Mitglieder des W.K gerieten in deutsche Haft und überlebten KZ-Lager wie Theresienstadt nur mit Glück.
Erinnern möchten wir insbesondere an die Toten des W.K.: Selma Meyer, Willem Adriaan Bonger, Menno ter Braak, Elise Frederika de Jong-van Biema, Maurits Kann, Alfons Kaps, Eleazer Louis van der Kar, Werner Kowalski, Erich Kuttner, Leo Polak, Paul Röcker, Friedrich Rüddenklau, Abraham Manjoe Teitel, Carel Herman Weijl und Franz Vogt.
Liste der Mitglieder: https://www.njuuz.de/home/politik/90-todesopfer-der-wuppertaler-gewerkschaftsprozesse-und-des-wuppertal-komitees/