Die gesellschaftliche Realität in Deutschland ist durch eine immer größer werdende
individuelle, soziale und kulturelle Vielfalt gekennzeichnet. Zugleich sieht sich die
Demokratie hierzulande wie auch anderswo in der westlichen Welt verstärkt Angrif-
fen von extremistischen Bewegungen ausgesetzt. Mehr als die Hälfte der Bevölke-
rung sieht die Demokratie laut einer YouGov-Umfrage aus 2019 bei uns mittlerweile
in Gefahr.
Als Mikrokosmos der Gesellschaft ist auch die KiTa gefordert, sich konsequent mit
diesen Herausforderungen auseinander zu setzen. Es gilt dabei sowohl kompetent
und konstruktiv mit Vielfalt in ihrer ganzen Bandbreite umzugehen als auch die
KiTa von Anfang als „Kinderstube der Demokratie“ zu gestalten.
KiTa als „Kinderstube der Demokratie“
In der pädagogischen Praxis bildet die Partizipation hierfür das entscheidende
Bindeglied: Der gelungene Umgang mit Vielfalt wie auch die Demokratiebildung
zeichnen sich dadurch aus, dass alle Kinder sich beteiligen und auch mitentscheiden
können. Hierüber erfährt das einzelne Kind Wertschätzung und Respekt und kann
sich als selbstwirksam erleben. Auf diese Weise können alle Kinder unter dem As-
pekt der Chancen- und Bildungsgerechtigkeit bestmöglich gefördert und zugleich
eine aktive demokratische Teilhabe von Anfang an gelebt werden. Dieser Anspruch
setzt eine hohe (Selbst-)Reflexionsfähigkeit der pädagogischen Fachkräfte und das
Hinterfragen (oftmals unbewusster) Normerwartungen und Vorurteile sowie des
eigenen Bildes vom Kind und der eigenen Machtposition voraus.
Der vorliegende Professionalisierungsbeitrag bildet zusammen mit dem Professio-
nalsierungsbeitrag Nr. 7 zu den Chancen und Herausforderungen der Heterogenität
die fachliche Grundlage für die nifbe-Qualifizierungsinitiative „Vielfalt leben und
erleben“, die ab 2021 mit dem besonderen Fokus „Demokratie stärken“ durchge-
führt wird.
Nach einer gesellschaftlichen Kontextualisierung und dem Einführen in die wis-
senschaftlichen Grundlagen des Themas Demokratie und Partizipation gehen die
Autor*innen konkret auf Ansätze und Schlüsselfragen für die alltägliche KiTa-Praxis
ein. Ein Ausblick zeigt auf, dass die Demokratiebildung und Partizipation in der KiTa
auch in eine Kultur der Teilhabe und Anerkennung im Gesamtsystem eingebettet
sein sollte – von der Fachberatung über den Träger und die Aus- und Weiterbildung
bis zur Wissenschaft und Politik. Je demokratischer und partizipativer das Gesamt-
system gestaltet wird, umso besser können sich die entsprechenden Kompetenzen
der Beteiligten auf allen Ebenen weiterentwickeln und entfalten