Die hier vorliegende Forschungsarbeit geht der Frage nach, inwieweit es den Nazis vor der sogenannten „Machtergreifung“ 1933 gelungen ist, auf lokaler Ebene in Berlin Fuß zu fassen und in die bezirkliche Arbeiterschaft einzudringen. Diesmal - nach mehreren schon vorliegenden Publikationen des Autors anderen Berlin Stadtbezirken - untersucht der Autor den Berliner Bezirk Lichtenberg. Dabei wird der Zeitraum von 1920 bis Anfang März 1933 betrachtet. Der Autor geht seiner Fragestellung auf drei Ebenen nach:
1. Die Etablierung von eigenen NS-Organisationsstrukturen, 2. Die „Eroberung der Straße“ durch die Nazis und 3. Das Eindringen der Nazis in das „links-proletarische Milieu“.
Im Unterschied zu den bisher vom Autor untersuchten Bezirken Friedrichshain, Prenzlauer Berg, Mitte und Kreuzberg, die kleine, dicht bebaute und besiedelte Arbeiter- und Innenstadtbezirke mit weitgehend einheitlichem Milieu waren, handelt es sich bei Lichtenberg um einen Bezirk im Berliner Osten von riesiger Ausdehnung, der bis an die Gemarkung von Brandenburg heranreicht.
Allgemein kann gesagt werden, dass das Netz der NSDAP-Stützpunkte in Lichtenberg über 10 Jahre kontinuierlich dichter wurde. Allerdings erst ab Ende 1929/Anfang 1930 – zeitgleich mit dem Durchbruch der NSDAP zur Massenbewegung – kam es zu einer entscheidenden organisatorischen Entfaltung. Während die Lichtenberger Nazis bis Sommer 1932 fast den ganzen Bezirk erschlossen hatten, konnten sie sich mit der reichsweiten Neuorganisation der NSDAP im Spätsommer 1932 dann auch noch bis in das proletarische Rummelsburg, wo sie bis dahin den schwersten Stand hatten, ausbreiten. Damit bestanden nun neun Ortsgruppen. Jede Ortsgruppe hatte ihre eigene Hauptversammlungsstätte und Geschäftsstelle. Mit der reichsweiten Neuorganisation sollten die organisatorischen Voraussetzungen für die Machtübernahme geschaffen werden. Die Organisationsstruktur, die bis zum Herbst 1932 errichtet worden war, blieb dann im Wesentlichen auch nach der „Machtergreifung“ der Nazis 1933 bestehen.