Deutsche Science Fiction Autorinnen und die utopisch-antifeministische Karikatur 1873 - 1914

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Deutsche Science Fiction Autorinnen und die utopisch-antifeministische Karikatur 1873 - 1914
Erstmals wird in dieser stark erweiterten 2. Auflage der Beitrag von nun 24 Frauen zur frühen deutschen Science Fiction 1871 - 1914 untersucht. Herausragende Vertreterin ist dabei die spätere Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner (1843 - 1914), die sogar Kurd Laßwitz, den „Vater der deutschen Science Fiction“, thematisch inspirierte und ihn später dazu motivierte, seine verstreuten SF-Erzählungen 1890 in dem Novellenband „Seifenblasen“, eine der ersten deutschen SF-Story-Sammlungen überhaupt, zusammenzufassen. Von 1879 - 1911 reüssierte sie selbst mit 3 bedeutenden utopischen Romanen und mehreren SF-Kurzgeschichten um einen „Zeiterweiterungsapparat“ oder ein „Mikrochronoskop“, einem „Minutenvergrößerungs-Apparat“, mit dem sie schon ein Raum-Zeit-Phänomen antizipiert, das erst sehr viel später von Laßwitz (1887) und H. G. Wells (1901) literarisch behandelt wurde und so einen frühen Höhepunkt dieser neuen Gattung kreierte. Für die anderen heute weitgehend unbekannten oder anonymen Autorinnen war hingegen ausschließlich die kurze Novelle die von ihnen präferierte Form der Science Fiction, zu der sie dann auch jeweils nur 1 bis 2 Beiträge verfassten. Die besten dieser feministischen oder sogar antifeministischen Utopien und Dystopien beeindrucken durch die technische Komplexität der Frauenwelten oft in Laßwitz´scher Art sowie die Antizipation einer fernen Zukunft u.a im Jahr 2500 (Therese Haupt, 1899) oder eines fremden Planeten wie dem Mars (E. Tanne, 1910). Auch dürfte es mit Franziska Kapff-Essenther (1849 - 1899) eine Frau gewesen sein, die 1884 als erste Retortenbabys und eine funktional geklonte Menschheit in die deutsche Literatur eingeführt hat und damit den meisten damaligen männlichen Schriftstellerkollegen und ihren eher eindimensionalen utopischen Novellen weit voraus war. So ist das „Problem“ der damaligen Zeit, die „Frauenfrage“, in der Zukunft gelöst: Es gibt keine Frauen mehr, nur noch geklonte Männer. L. Falb antizipierte 1890 gar, dass der künftige männliche „Universalmensch“, von sich Automaten-Kopien anfertigen lassen wird, die dann für ihn u.a. die Konversation oder das Tanzen mit Frauen übernehmen können. In dem SF-Lustspiel der Lehrerin Anna Klie 1896 ist der letzte männliche Lehrer einer Mädchenschule im Jahr 1975 ausgestorben und wird als „Mumie im vaterländischen Museum“ ausgestellt, während im Jahr 2000 die Schuldirektorin „Fräulein Professor Dr. Aurora“ und das Lehrerinnenkollegium sich lieber ihren wissenschaftlichen Studien widmen und den ungeliebten Unterricht neuartigen anthropomorphen „Bildungsautomaten“ überlassen, die nicht nur die Lerninhalte repetieren, sondern auch Prügel verteilen. Die Mathematikerin Marie Vaerting, übertraf 1908 in „Die zukünftige Welt“ mit ihrer durch die Kraft eines neuentdeckten „Germenstroms“ möglich gewordenen Technikgigantomanie, in der der Südpol verschoben wird, die Meere ausgetrocknet werden, der Mond zum Absturz in den Stillen Ozean gesteuert werden soll und man „am Strome eines drahtlosen Telegraphen“ in 2 Stunden den Atlantik überqueren kann, spätere SF-Romane ihrer männlichen Kollegen, die 1913 lediglich den Golfstrom umleiteten oder einen Eisenbahn-Unterseetunnel von New York nach Europa bauten, um ein Vielfaches an technikvisionärer Kraft. Auch entwarf sie schon 1908 die Programmatik künftiger „Space Operas“, jongliert mit Planeten wie mit Glaskugeln, will andere bewohnte Planeten in die Sonne stürzen und die Erde gemeinsam mit England in die Mitte der Fixsternwelt „germenisieren“, um sie zum Mittelpunkt eines germanischen Universums zu machen. Denn: „Wenn wir gegen Sterne kämpfen wollen, so müssen wir auf Erden einig sein.“ Das als „Aeronautikjahr“ apostrophierte Jahr 1909 hat dann auch weibliche Autorinnen inspiriert, sich mit dem Flugverkehr der Zukunft zu befassen, was sie dann ausschließlich humoristisch und eher technikpessimistisch taten. Zudem galt für die frühe feministische SF, dass die Frauenwelt der Zukunft stets eine Welt des Friedens war und oft sogar aus den Ruinen der von Männern geführten Kriege entstanden ist. So wollte auch die beliebte Mädchenbuchautorin Magda Trott (1880 - 1945) schon im Januar 1914 – recht prophetisch nach Beendigung eines fiktiven Weltkriegs durch deutsche Wunderwaffen – einen „Frauenstaat“ in der Lüneburger Heide errichten. Trotzdem haben auch Frauen wie Thea von Harbou oder P. Berendt um 1913 patriotische Kriegsutopien geschrieben, die mit Tarnkappenbombern, Radium- und Elektrowaffen oftmals zukunftstechnisch sogar innovativer waren, als diejenigen der meisten männlichen Autoren dieser Zeit. Die Antithese zu den von Frauen entworfenen Zukunftswelten ist, dass besonders in der damaligen utopisch-antifeministischen Karikatur seit 1873 die Emanzipation der Frau übel diskreditiert wurde und sie erst oft als studentische Burschenschaftlerin oder später um 1900 sexistisch als vollbusige Soldatin lächerlich gemacht wurde, was zahlreiche Illustrationsbeispiele und weitverbreitete Ansichtskarten belegen. Das wird zudem auch an zwei zeitgenössischen SF-Texten zu eierlegenden Frauen (1890) sowie zur degenerativen Verweiblichung des Mannes mit Männermilch (1887) exemplifiziert. Inhalt: Zum feminin-utopischen Geleit Genese der deutschen Science Fiction in den 1870er Jahren Deutschsprachige Science Fiction Autorinnen und ihre Werke 1873 - 1914 Berendt, P. Bernstein, Marie Bolski, L. von Bufalo della Valle, Emilie del Costenoble, Anna Dyx, Dora Falb, L. Glaser, Bertha Harbou, Thea von Hart, Paula Haupt, Therese Judeich, Helene Kapff-Essenther, Franziska Key, Ellen Klie, Anna Sanders, Ella Schulze-Brück, Luise Suttner, Bertha von Tanne, E. Trott, Magda Ulrich, Anna Vaerting, Marie Voigt, Rosa Wolf, Franziska Die utopisch-antifeministische Karikatur 1873 - 1906 Auswahlbibliographie Sekundärliteratur

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ISBN: 9783946366683

Language: German

Publication date: 13.09.2025

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